DER STANDARD, 15.04.2008, Seite 30, Kommentar der anderen
Spanien zeigt den Weg vor
Der Vorschlag der ÖVP, alternativ zum Religionsunterricht verpflichtend Ethikunterricht einzuführen, soll vermutlich die Unterweisung in römisch-katholischer Religion absichern. Allerdings: Was wäre, wenn dem Staat ein attraktives Modell von Ethikunterricht gelänge? Was, wenn Ethikunterricht nicht als Bestrafung für das Schwänzen des r.-k. Religionsunterrichts, sondern als viel interessanter wahrgenommen würde?
Mit dem selben Aufwand für einen attraktiven Religionsersatz könnte doch gleich Ethikunterricht statt Religionsunterricht zustande gebracht werden. Das hätte der SPÖ schon lange einfallen können, denn sie hat dafür ein probates Vorbild: Spanien. Die spanische SP regiert keineswegs mit absoluter Mehrheit, hat aber in einem massiv katholisch geprägten Land innerhalb einer Legislaturperiode den verpflichtenden Religionsunterricht abgeschafft und an dessen Stelle das Pflichtfach "Staatsbürgerschaft und Menschenrechte" gesetzt. Univ.-Prof. Dr. Josef Hochgerner
Zentrum fuer Soziale Innovation
1150 Wien
Universität Wien
Universitätsstr. 7, Stock 3
A-1010 Wien
T: +43-1-4277-474 71



